Sportlich verlief die Reise ins Schwabenland für die Domstädter ernüchternd. Bei der Begegnung zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Köln geriet die Mannschaft früh unter Druck und lag kurz vor Ende mit 1:3 im Hintertreffen. Doch der Moment, der im Nachgang für das meiste Aufsehen sorgte, ereignete sich in der 90. Spielminute: FC-Trainer René Wagner brachte Imad Rondic für Mittelfeldspieler Tom Krauß auf den Rasen. Für den bosnischen Mittelstürmer waren es die ersten Einsatzminuten im deutschen Oberhaus – ein Szenario, das wenige Wochen zuvor noch völlig ausgeschlossen schien.
Zu Beginn der Sommervorbereitung war Rondic bei den Kölnern unmissverständlich klargemacht worden, dass die sportliche Leitung nicht mehr mit seinen Diensten plane. Der Angreifer wurde vom regulären Mannschaftstraining freigestellt, um einen Vereinswechsel zu forcieren und das Gehaltsbudget für Neuverpflichtungen zu entlasten. Statt den Verein umgehend zu verlassen, absolvierte der Profi über Wochen hinweg ein individuelles Aufbauprogramm. Sein vorbildliches Auftreten im Einzeltraining honorierte das Trainerteam nun mit der Nominierung für den Spieltagskader.
Die personelle Notlage im Kölner Sturmzentrum begünstigte diese Entscheidung zusätzlich. Durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Thijs Dallinga und Said El Mala standen Wagner im Angriff kaum noch Alternativen zur Verfügung. Beim Stand von 1:3 wollte der Trainer in der Schlussphase volles Risiko gehen, um womöglich noch den 2:3-Anschlusstreffer zu erzwingen. Rondic war zu diesem Zeitpunkt der einzig verbliebene gelernte Stürmer auf der Ersatzbank.
Wagner begründete die Maßnahme im Anschluss an die Partie als bewusstes Signal an das gesamte Teamgefüge: Wer trotz schwerer Phasen vollen Einsatz zeige, werde dafür belohnt. Dass das Debüt sportlich unglücklich endete – Rondic bereitete unfreiwillig das 1:4 durch Stuttgarts Josha Vagnoman vor –, änderte nichts am Respekt für seine professionelle Arbeitseinstellung. Für Beobachter, die den Markt für Fußballwetten und künftige Wettquoten der Kölner im Auge behalten, verdeutlicht die Personalie vor allem die angespannte Personaldichte in der Offensive vor den kommenden Ligaspielen.
