Was in München passierte, war kein einzelner Fehler, sondern eine Kette. Klostermann bekam seinen ersten Startelfeinsatz der Saison – ausgerechnet beim Gegner, der jede Schwäche auf der Außenbahn sofort bestraft. Dass er nach den ersten beiden Gegentoren nicht früher erlöst wurde, ist der Punkt, an dem die Kritik ansetzt: Nicht der Spieler hat versagt, sondern der Umgang mit ihm. Wer einen Rückkehrer in so ein Spiel wirft und ihn dann 59 Minuten lang im Feuer stehen lässt, hat ihm keinen Gefallen getan.
Die Reaktion des Trainers ist trotzdem eine andere Geschichte. Drei Spiele ohne ihn, drei Siege, und über diese Partien verteilt fast der komplette Kader im Einsatz – das liest sich intern als Beweis, dass die rechte Seite auch ohne den 30-Jährigen funktioniert. Für Klostermann bedeutet das: Er ist nicht verletzt, nicht gesperrt, sondern schlicht aus der Rangordnung gefallen. Das ist die unangenehmere Variante, weil sie sich nur über Training und Einsatzminuten korrigieren lässt.
Der Gegenpunkt gehört dazu: Drei Siege gegen Gegner, die nicht Bayern heißen, sind kein endgültiger Maßstab. Die Konkurrenz auf seiner Position spielt gerade stabil, aber Form ist kein Vertrag – ein Ausfall oder eine schwache Serie und die Tür geht wieder auf. Wie belastbar die aktuelle Hierarchie wirklich ist, zeigt sich erst gegen einen Gegner, der die Außenbahn ähnlich hart prüft wie München. Bis dahin bleibt die Entscheidung eine Momentaufnahme.
Für den Blick auf den Markt heißt das: Leipzigs Defensive ist derzeit schwer einzuschätzen, weil das System ohne den Ex-Nationalspieler anders steht und die Ergebnisse das stützen – aber die Gegnerqualität fehlt als Prüfstein. Wer die Leipziger Seite bewerten will, sollte die nächsten Aufgaben abwarten statt aus drei Siegen eine feste Größe zu machen. Die Bundesliga liefert dafür bald die passenden Datenpunkte.
