Das Kleine Haus des Staatstheaters Darmstadt wählt für die Bühnenadaption einen bemerkenswerten Kunstgriff: Zu Beginn verkünden die Darstellerinnen zwar, nicht Andrea Petković zu sein, doch in den folgenden 100 Minuten entfaltet sich genau diese Biografie. Die Regisseurinnen Theresa Thomasberger und Carlotta Huys greifen auf das 2020 veröffentlichte autobiografische Werk zurück. Anstatt eines klassischen Dramas mit einem einzelnen Handlungskonflikt steht eine vielschichtige Collage im Zentrum. Das Duo Tilla Danaylow und Aleksandra Kienitz teilt sich die Rolle der Protagonistin und beleuchtet die Anfänge auf hessischen Tennisplätzen ebenso wie den von Migrationserfahrungen geprägten Leistungswillen auf dem Weg in die internationale Tennis-Elite.

Die Inszenierung verzichtet bewusst auf bloße Nacherzählung und setzt auf visuelle Symbolik für die Zerrissenheit im Leistungssport. Ein Tennisplatz bildet die Grundkulisse, doch die Realitätsebene verschiebt sich kontinuierlich: Hunderte Bälle fallen von der Decke, während die Hauptfigur zeitweise auf einem riesigen Ball über der Szenerie schwebt. Diese visuellen Überzeichnungen fangen den permanenten Kontrast zwischen sportlichem Höhenflug und lähmenden Selbstzweifeln treffend ein. Akustisch und atmosphärisch gerahmt wird das Geschehen von Gabrielle Draudt und Karen Tepperis, die in einer Doppelrolle als Schiedsrichterinnen und Chansonsängerinnen fungieren.

Ein zentraler Strang der Darmstädter Theaterarbeit widmet sich der Literatur als Rettungsanker. Für Petkovic war das Schreiben nicht bloßes Hobby, sondern eine notwendige Flucht vor der physischen Abnutzung und dem mentalen Druck im Tour-Betrieb. Dies verdeutlicht eine fiktive Begegnung mit dem US-Schriftsteller David Foster Wallace. Die Botschaft ist präzise herausgearbeitet: Während der Profisport von unbarmherzigen Zufällen und plötzlichen Spielwendungen bestimmt wird, verlangt das reale Leben nach einer sinnstiftenden Erzählung, die über die reine Spielstandsanalyse hinausgeht.

Kritische Rezensionen, darunter die Einordnung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, heben hervor, dass dem Werk durch die additive Aneinanderreihung biografischer Stationen zuweilen eine stringente dramatische Zuspitzung fehlt. Dennoch gilt der Theaterabend als sehenswerte Auseinandersetzung mit den Schattenseiten einer Profikarriere. Das Darmstädter Publikum erlebt keine glorifizierende Heldengeschichte, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme über physische Grenzen, Erwartungsdruck und die Suche nach Identität abseits des Platzes – Aspekte, die auch bei aktuellen Ereignissen im Sportgeschehen regelmäßig im Fokus stehen.