Trotz der bitteren 0:1-Niederlage der DFB-Auswahl gegen Griechenland in der UEFA Nations League erwies sich der Länderspielabend als unangefochtener Zuschauermagnet. Satte 10,97 Millionen Sportbegeisterte verfolgten die Live-Übertragung im Ersten, was einem überragenden Marktanteil von 45,6 Prozent beim Gesamtpublikum entsprach. Noch deutlicher fiel das Übergewicht in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen aus: 3,05 Millionen jüngere Zuschauer bescherten dem öffentlich-rechtlichen Sender hier 55,0 Prozent Marktanteil. Zusammen mit den Rahmenberichten, der „Tagesschau“ und den „Tagesthemen“ in der Halbzeitpause belegte Das Erste die ersten fünf Plätze der gesamten Tages-Charts. Für den Sportmarkt zeigt sich einmal mehr: Gegen die Nationalmannschaft im Hauptprogramm kommt kein anderes Live-Event an.

Die Konkurrenzsender hatten dem Fußballabend schlichtweg nichts entgegenzusetzen. Die stärkste Alternative bildete das ZDF, das mit einer Wiederholung von „Das Traumschiff“ immerhin 3,53 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 13,9 Prozent einsammelte, damit jedoch chancenlos im Windschatten blieb. Für die Privatsender entwickelte sich der Sonntagabend zu einem regelrechten Debakel, da kein einziges Programm den Sprung in die Top 25 der Tageswertung schaffte. Weder ProSieben mit dem Spielfilm „Guy Ritchie's Der Pakt“ (0,81 Millionen Zuschauer) noch Vox mit dem Kochformat „Grill den Henssler“ (0,80 Millionen Zuschauer) konnten die Millionenmarke knacken. Wer auf abweichende Unterhaltung setzte, fand sein Publikum an diesem Abend nur in engen Nischen.

Besonders hart traf die geballte Konkurrenz den Kölner Sender RTL mit seinen Übertragungen der NFL. Im direkten Duell mit dem Nations-League-Spiel stürzten die Marktanteile für American Football auf magere Werte zwischen 0,8 und 1,4 Prozent ab. Über die gesamte Sendestrecke von 19 Uhr am Vorabend bis 3 Uhr nachts kam die US-Liga auf maximal 0,52 Millionen Zuschauer in der Spitze. Das unterstreicht ein wiederkehrendes Muster: Sobald ein hochkarätiges DFB-Match oder wichtige Fußball-Events parallel laufen, wandert die sportinteressierte Masse fast geschlossen zum Rundleder ab. Für RTL bedeutet das, dass Football im linearen Free-TV gegen etablierten Spitzenfußball kaum eigene Reichweiteninseln verteidigen kann.

Ein differenzierteres Bild bot der Samstagabend, auch wenn RTL zur Primetime mit dem Comedy-Special „Ralf Schmitz Live! Schmitzfindigkeiten“ und lediglich 0,90 Millionen Zusehern (4,8 Prozent Marktanteil) zunächst gegen den ZDF-Krimi „Tod eines Pastors“ (4,81 Millionen Zuschauer, 24,4 Prozent Marktanteil) unterging. Die eigentliche Wende gelang den Kölnern erst tief in der Nacht: Das Mixed-Martial-Arts-Format „Oktagon“ entpuppte sich ab 23:30 Uhr als echter Quotenbringer. In der jungen Kernzielgruppe kletterten die Marktanteile des Kampfsport-Events auf bis zu 20,1 Prozent. Während Football am Sonntag scheiterte, bewies der MMA-Erfolg, dass späte Sport-Events mit klarer Zielgruppenansprache sehr wohl ein starkes Gegengewicht zu den etablierten Formaten bilden können.