Die Reaktion auf die vorangegangenen Punktverluste gegen den FC Augsburg und bei Viking Stavanger fiel deutlich aus. Vincent Kompany veränderte den spielerischen Ansatz im Vergleich zu den zähen Vorwochen spürbar: Höheres Vertikalspiel über die Flügel statt endloser Ballbesitzschleifen. Luis Díaz nutzte die ihm gebotenen Räume mit bemerkenswerter Effizienz und stellte die Leipziger Defensive mit seinem Dreierpack vor unlösbare Aufgaben. Wer das Geschehen in der Bundesliga aufmerksam verfolgt, sah hier eine Münchner Mannschaft, die jede defensive Unordnung des Gegners kompromisslos bestrafte.
Taktisch profitierte Bayern vor allem vom kollabierten Mittelfeldpressing der Gäste. Das Team von Trainer Martin Demichelis fand zu keinem Zeitpunkt den Zugriff im Zentrum, wodurch Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic die Angriffe ohne echten Druck aufbauen konnten. Wenn Michael Olise und Harry Kane zwischen den Linien derart unbedrängt aufdrehen dürfen, verliert selbst eine individuell stark besetzte Hintermannschaft wie jene von Leipzig jegliche Ordnung. Marten Vandevoordt im Leipziger Kasten verhinderte mit mehreren Paraden sogar ein noch deutlicheres Debakel zur Halbzeitpause.
Trotz des Offensivspektakels mahnt der Blick auf die Gegenargumente zur Nüchternheit vor den kommenden internationalen Aufgaben. Ein 6:1 liest sich wie eine Machtdemonstration, doch Leipzig trat defensiv mit einer Naivität an, die man auf europäischem Topniveau kaum vorfindet. In der UEFA Champions League wartet mit dem FC Arsenal ein gänzlich anderes Kaliber: Die Mannschaft von Mikel Arteta agiert in der Restverteidigung mit extrem enger Staffelung und lässt im Schnitt nur minimale Räume zwischen den Ketten zu. Bayerns Anfälligkeit bei schnellen Umschaltmomenten, die auch beim späten Leipziger Ehrentreffer durch Andrija Maksimovic sichtbar wurde, bleibt eine offene Flanke.
Für die Einschätzung der kommenden Topspiele bedeutet das Ergebnis vor allem eins: Der Markt neigt nach solchen Kantersiegen dazu, offensive Serien überzubewerten. Wer sich vor dem Kracher gegen Arsenal mit den Wettquoten und Match-Märkten befasst, sollte den Bayern-Sieg realistisch einordnen. Die wiedergewonnene Kaltschnäuzigkeit im Abschluss ist ein handfester Vorteil, doch die taktische Balance wird gegen die disziplinierten Londoner auf eine ungleich härtere Probe gestellt als gegen ein indisponiertes Leipzig.
