Die Entscheidung des FC Forstern für den Einstieg in den Padel-Sport ist das Resultat einer nüchternen Standortanalyse. Vereinsvorsitzender Christian Marsch stellte dem Gemeinderat kürzlich ein Konzept vor, das gezielt auf den anhaltenden Wandel im Breitensport reagiert. Während traditionelle Sparten oft um Nachwuchs und Mitgliederbindung kämpfen, verzeichnet Padel europaweit zweistellige Zuwachsraten. Für Forstern geht es dabei um mehr als ein zusätzliches Freizeitangebot: Es ist der gezielte Versuch, eine sportliche Vorreiterrolle im Landkreis Erding einzunehmen, bevor Nachbarvereine das Potenzial selbst erschließen.

Im regionalen Umfeld haben bislang vor allem kommerzielle Betreiber in Städten wie Erding oder Vaterstetten das Segment besetzt. Für Freizeitsportler bedeutet das meist hohe Platzmieten und fehlende Vereinsstrukturen. Der FC Forstern wählt bewusst den entgegengesetzten Weg: die Integration der Trendsportart in ein gemeinnütziges Vereinsmodell. Damit folgt der Klub einer Entwicklung, die in Ländern wie Spanien oder Schweden längst Standard ist. Wer frühzeitig eigene Plätze schafft, bindet die lokale Community an den Verein, statt Abwanderungen zu privaten Hallenbetreibern hinzunehmen.

Aus sportfachlicher Sicht unterscheidet sich Padel deutlich von klassischen Racketsportarten. Das Spielfeld misst exakt 10 mal 20 Meter und ist von einer Kombination aus Glas- und Gitterwänden umgeben. Diese Umrandung ist fester Bestandteil der Ballwechsel, was dem Spiel eine dynamische, taktische Tiefe verleiht. Ballwechsel dauern im Schnitt länger als im klassischen Tennis, während der physische Raum kompakter bleibt. Fehler werden durch die Banden oft verziehen, was die Einstiegshürde für Neulinge massiv senkt.

Genau diese flache Lernkurve bildet das Hauptargument der Forsterner Verantwortlichen. Während beim Tennis oft Monate intensiven Trainings nötig sind, um flüssige Grundschläge und Aufschläge zu beherrschen, stellt sich beim Padel bereits in der ersten Stunde ein belastbares Spielgefühl ein. Da fast ausnahmslos im Doppel gespielt wird, besitzt die Sportart zudem einen ausgeprägten sozialen Charakter. Vier Spieler teilen sich einen Court, was die Platzbelegung maximiert und die Hemmschwelle für gemischte Spielstärken minimiert.

Der Blick auf die bundesweiten Zahlen stützt den Forsterner Zeitplan: Deutschlandweit existieren derzeit rund 3.500 Padel-Courts, und Branchenkenner rechnen in den kommenden drei bis vier Jahren mit einer anhaltenden Wachstumsphase. Wer in diesem Zeitfenster keine eigene Infrastruktur schafft, läuft Gefahr, den Anschluss an neue Trendsportarten komplett zu verlieren. In Forstern will man verhindern, dass Nachbarvereine wie etwa der SV Forstinning die Initiative ergreifen und das regionale Einzugsgebiet zuerst erschließen.

Hinter dem Vorhaben steht ein klar umrissenes Finanzierungsmodell. Die Gesamtkosten für die zwei Courts samt einem kleinen Loungebereich werden auf 85.000 bis 100.000 Euro beziffert. Die finale Summe hängt maßgeblich von den bewilligten Fördermitteln ab. Der FC Forstern baut hierbei fest auf die Unterstützung durch den Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV), dessen Förderrichtlinien das Projekt nach Vereinsangaben exakt erfüllt. Für die Gemeinde entstehen durch den Bau keine direkten finanziellen Belastungen.

Die Refinanzierung ist laut Vereinsführung auf einen Zeitraum von drei bis vier Jahren ausgelegt – eine bewusst konservative Kalkulation. Neben den reinen Baukosten übernimmt der FC Forstern auch die laufenden Betriebsausgaben. Dazu zählen die Anschaffung und Wartung von Leihschlägern, Bällen sowie die Implementierung einer digitalen Buchungs-App. Letztere soll eine automatisierte Platzvergabe ohne hohen administrativen Personalaufwand gewährleisten.

Ein zentraler Baustein des Konzepts ist die bewusste Öffnung der Anlage für vereinsfremde Spieler. Die Plätze sollen nicht exklusiv Mitgliedern vorbehalten bleiben, sondern über das Buchungssystem für jedermann zugänglich sein. Dies sichert dem Verein zusätzliche Einnahmen über Gastspielergebühren und fungiert gleichzeitig als niedrigschwelliges Akquise-Werkzeug, um neue Mitglieder an den Hauptverein heranzuführen.

Im Forsterner Gemeinderat stießen die Pläne auf breite, fraktionsübergreifende Zustimmung. Vertreter von CSU, AWG und den Grünen bewerteten das Projekt als weitsichtigen Schritt zur Stärkung des lokalen Sportstandorts. Die Kommune unterstützt das Vorhaben logistisch: Der gemeindliche Bauhof wird bei der notwendigen Umgestaltung des angrenzenden Spielplatzgeländes Hilfestellung leisten, um das Areal optimal in die bestehende Sportinfrastruktur einzubinden.

Trotz der allgemeinen Zustimmung gab es in der Beratung auch mahnende Stimmen. Gemeinderat Georg Els jun. (AWG) verwies darauf, dass parallel zu neuen Projekten die Sanierung und der Umbau des bestehenden Tennisheims nicht ins Hintertreffen geraten dürften. Der Vereinsvorstand sicherte daraufhin zu, dass die Modernisierung der vorhandenen Anlagen weiterhin mit hoher Priorität vorangetrieben wird und die Padel-Offensive keine Ressourcen vom Bestandsbetrieb abzieht.

Der geplante Baubeginn im Februar 2027 markiert den Auftakt für eine intensive Umsetzungsphase. Ziel ist es, die Courts rechtzeitig zur Freiluftsaison fertigzustellen, um sofort vom saisonalen Nachfrageanstieg zu profitieren. Die frühe Weichenstellung verschafft dem Klub Planungssicherheit bei den Bauvergaben und der Abstimmung mit den Fachverbänden.

Das Projekt in Forstern zeigt exemplarisch, wie Amateurvereine auf veränderte Freizeitgewohnheiten reagieren müssen. Statt starre Strukturen zu verwalten, setzt der Klub auf modulare, flächeneffiziente Angebote. Zwei Padel-Courts beanspruchen in etwa die Fläche eines einzelnen Standard-Tennisplatzes, bieten aber rechnerisch der doppelten Anzahl an Spielern gleichzeitig Platz – ein Effizienzvorteil, der auch für künftige Sportstättenplanungen wegweisend ist.

Unterm Strich liefert der FC Forstern mit seiner Padel-Initiative eine fundierte Antwort auf den sportlichen Strukturwandel im ländlichen Raum. Die Kombination aus solider BLSV-Förderung, digitaler Platzverwaltung und offener Zugänglichkeit minimiert das finanzielle Risiko für den Verein. Ob die angestrebte Amortisation innerhalb von vier Jahren greift, wird letztlich von der tatsächlichen Auslastung abhängen – die sportlichen Rahmenbedingungen dafür sind geschaffen.