Die Bilder aus dem Ligaspiel gegen Union Berlin ließen zunächst das Schlimmste vermuten: Nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung sank Konstantinos Karetsas zu Boden und musste von zwei Betreuern gestützt in die Kabine humpeln. BVB-Geschäftsführer Lars Ricken gab vor dem Abflug zur Auswärtspartie in der Champions League nun Entwarnung im Rahmen des Möglichen. Die diagnostizierte Bandverletzung im Fuß bedeutet zwar das vorläufige Aus für den Europapokal-Trip nach Aserbaidschan sowie das anstehende Duell in der Bundesliga, erspart den Dortmundern aber einen monatelangen Ausfall ihres hochveranlagten Neuzugangs. Eine konkrete Ausfallzeit nannten die Verantwortlichen bewusst nicht; die Belastungssteuerung soll von Tag zu Tag neu bewertet werden.

Taktisch wiegt das Fehlen des griechischen Nationalspielers spürbar schwerer, als es ein bloßer Blick auf seine Einsatzminuten vermuten lässt. Karetsas ist beim BVB als Bindeglied zwischen zentralem Mittelfeld und letzter Angriffsreihe eingeplant – eine Rolle, in der er mit enger Ballführung, schnellen Drehungen und Mut zu vertikalen Schnittstellenpässen Räume gegen tief stehende Ketten öffnet. Fällt diese Option weg, verlagert sich das Offensivspiel der Dortmunder zwangsläufig wieder stärker auf die Flügel. Für das BVB-Trainerteam bedeutet dies weniger Unberechenbarkeit im Halbraum und eine höhere taktische Berechenbarkeit für gegnerische Abwehrreihen, die das Zentrum nun kompakter zustellen können.

Der steile Werdegang des Youngsters verdeutlicht, warum Borussia Dortmund den Mittelfeldakteur im Sommer 2026 mit einem langfristigen Vertrag bis 2031 ausstattete. Bereits mit 15 Jahren feierte Karetsas sein Profidebüt für Jong Genk und trug sich als jüngster Torschütze in die Geschichtsbücher des belgischen Profifußballs ein. Im März 2025 folgte der nächste Meilenstein: Bei seinem Länderspieldebüt für Griechenland gegen Schottland traf er im Alter von 17 Jahren und avancierte damit zum jüngsten Torschützen der Verbandshistorie. Seine Fähigkeit, auf engstem Raum unter Druck richtige Entscheidungen zu treffen, machte ihn früh zu einem der begehrtesten Talente auf dem europäischen Markt.

Die Zwangspause trifft die Dortmunder in einer Phase extrem hoher physischer Belastung. Mit der Reise nach Baku und den nationalen Pflichtspielen spult der BVB-Tross binnen einer Woche knapp 11.300 Reisekilometer ab. In solchen Phasen sind Trainer auf eine funktionierende Rotation angewiesen, um das Tempo in der Schlussphase hochzuhalten. Durch Karetsas’ Ausfall schrumpft der Spielraum für kreative Wechsel im Mittelfeldzentrum erheblich. Für die anstehenden Aufgaben muss die verbliebene Offensive die Laufarbeit auf mehr Schultern verteilen, was vor allem in den Schlussviertelstunden die Anfälligkeit für späte Gegentreffer erhöhen kann.