In einer Phase, in der die Münchner das Geschehen nach einer Aufholjagd eigentlich unter Kontrolle gebracht hatten, kippte die Statik der Partie durch eine einzige Unbeherrschtheit. Nach einem taktischen Foulspiel ließ sich Michael Olise im anschließenden Handgemenge zu einem Wurf des Balles in das Gesicht seines Gegenspielers hinreißen. Schiedsrichter Georgi Kabakov ahndete das Vergehen folgerichtig mit der zweiten Verwarnung, was in der Addition den ersten Platzverweis in der bisherigen Profilaufbahn des Franzosen bedeutete. Das unüberlegte Einsteigen zwang die Mannschaft dazu, den knappen Vorsprung in der Schlussphase in Unterzahl über die Zeit zu retten.
Die Reaktionen der TV-Experten fielen entsprechend deutlich aus. Bei Amazon Prime ordnete der ehemalige Schiedsrichter Patrick Ittrich die Szene unmissverständlich als klare Tätlichkeit ein und betonte, dass Spieler auf diesem Niveau derartige Provokationen aushalten müssen. Auch Co-Kommentator Benedikt Höwedes sprach von einer vermeidbaren Dummheit, die den eigenen Kader unnötig schwächte. Für Sportwetten-Analysten und Beobachter der UEFA Champions League verschiebt sich damit das Gefüge für die anstehenden Europapokal-Begegnungen deutlich, da die drohende Sperre die Flügelzange der Bayern empfindlich beschneidet.
Olise war bis zu diesem Aussetzer einer der aktivsten Akteure auf dem Platz und prägte die Offensive der Münchner maßgeblich. Nun muss Trainer Vincent Kompany auf den Außenbahnen umbauen, was vor allem die Ausgewogenheit im Übergangsspiel betrifft. Vor den nächsten Topspielen in der Bundesliga und auf internationalem Parkett stellt der personelle Ausfall eine taktische Bewährungsprobe dar, bei der nun Alternativen mehr Spielzeit erhalten und das Offensivrisiko neu kalkuliert werden muss.
