Mit der Ernennung zum neuen Spielführer des VfB Stuttgart übernahm Deniz Undav zur Saison 2026 zusätzliche Verantwortung. Die ersten beiden Spieltage in der Bundesliga brachten jedoch noch nicht den gewohnten Ertrag vor dem gegnerischen Kasten. Sowohl beim 2:2-Unentschieden gegen Borussia Dortmund als auch beim deutlichen 4:1-Heimerfolg im Duell mit dem 1. FC Köln blieb der Angreifer ohne eigenes Tor oder direkte Vorlage. In der Folge entbrannte in der Sportberichterstattung eine Diskussion darüber, ob die Binde die spielerische Leichtigkeit des deutschen Nationalstürmers einschränkt.

Hoeneß und Wohlgemuth verteidigen den Spielführer

Die Verantwortlichen der Schwaben bewerten die Situation nüchtern und stellen sich geschlossen vor ihren Angreifer. Trainer Sebastian Hoeneß ordnete die Kritik nach dem Spiel gegen Köln, in dem Undav nach 70 Minuten leicht angeschlagen ausgewechselt wurde, sachlich ein: „Das ist das Los eines Superstars, dass nach einem 4:1-Sieg über seine Leistung diskutiert wird. Sicher kann er besser spielen, das hat er schon oft gezeigt.“

Gleichzeitig trat Hoeneß überzogenen Urteilen entgegen: „So katastrophal wie jetzt hier teilweise die Berichterstattung gewesen ist, hat er auch nicht gespielt.“ Neben dem reinen Torabschluss zähle vor allem das taktische Verständnis auf dem Feld. „Er ist ein feiner Kerl, ist unser Kapitän, ist jemand, der das Spiel unglaublich gut versteht und lesen kann, der in der Lage ist, dort sehr gute Impulse auch an mich als Trainer zu geben“, betonte der VfB-Coach.

Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sieht in den jüngsten Auftritten ebenfalls keinen Anlass für grundlegende Zweifel. Phasen ohne Torerfolg gehörten zum Profil eines jeden Mittelstürmers: „Es gibt manchmal Phasen im Leben eines Stürmers, die man überstehen muss. Wir werden auch wieder deutlich bessere Phasen von ihm erleben.“

Historische Parallelen: Helmes und die Last der Kapitänsbinde

Dass Führungsaufgaben abseits des Platzes den Fokus im Strafraum beeinflussen können, zeigte in der Vergangenheit das Beispiel von Patrick Helmes. Der ehemalige Nationalspieler schilderte im Gespräch mit dem TV-Sender Sky seine Erfahrungen als Kapitän beim 1. FC Köln unter Trainer Christoph Daum. Zu viele Nebengeräusche hätten damals seinen Rhythmus gestört: „Als ich dann Kapitän geworden bin, waren da viele Themen abseits des Platzes. Ich habe in der Zeit einfach gemerkt: Für mich ist das too much.“

Helmes bilanzierte in jener Saison lediglich einen Treffer in den ersten neun Ligaspielen. Nach der Rückgabe des Kapitänsamtes fand der Torjäger umgehend zu alter Treffsicherheit zurück und erzielte in den verbleibenden 25 Saisonspielen noch 16 bis 17 Treffer. Diese Episode illustriert, wie eng die mentale Belastung durch repräsentative Pflichten mit der sportlichen Abschlussquote verknüpft sein kann.

Pokalerfolg und Champions League als Gradmesser

Dass Undav entscheidende Akzente setzen kann, bewies er im DFB-Pokal. Beim 4:0-Erstrundensieg gegen Hansa Rostock steuerte der Angreifer zwei Vorlagen bei und unterstrich seine mannschaftsdienliche Spielweise. Die nächste Gelegenheit, sich auch auf internationaler Bühne zu beweisen, bietet sich am Mittwoch. In der UEFA Champions League empfängt der VfB Stuttgart den norwegischen Meister Viking FK. Für die anstehenden Pflichtspiele in Liga und Königsklasse lassen sich bei verschiedenen Anbietern aktuelle Wettquoten und detaillierte Prognosen zu Torschützenmärkten einsehen.