Für die Analyse dieses Spiels in der UEFA Champions League reichen Ballbesitzprozente und die Anzahl der Abschlüsse allein nicht aus. Entscheidend dürfte sein, wie beide Mannschaften unmittelbar nach einem Ballgewinn reagieren. Porto möchte das Zentrum kompakt halten und gegnerische Angriffe früh unterbrechen. Neapel hingegen versucht, nach dem Überspielen der ersten Druckzone möglichst schnell vertikale Passwege zu nutzen.
Eine wichtige Rolle übernehmen dabei Alan Varela und Stanislav Lobotka. Varela verbindet bei Porto die defensive Balleroberung mit dem anschließenden Spielaufbau. Zugleich soll er Lobotka möglichst wenig Zeit für kontrollierte Ballannahmen lassen. Wird Neapels zentraler Spielgestalter erfolgreich aus dem Aufbau genommen, müssen die Gäste häufiger auf lange Zuspiele zurückgreifen. Genau bei solchen hohen Bällen kann Portos Innenverteidigung ihre körperlichen Stärken und ihre Präsenz in direkten Duellen ausspielen.
Scott McTominay eröffnet Neapel allerdings zusätzliche Möglichkeiten im Angriff. Seine Vorstöße aus dem Mittelfeld können Portos defensiven Sechser beschäftigen und Räume für nachrückende Außenspieler schaffen. Contes 3-5-2-System ist deshalb nicht ausschließlich auf das Verteidigen ausgelegt. Giovanni Di Lorenzo und Leonardo Spinazzola unterstützen bei gegnerischem Ballbesitz die kompakte Ordnung, können nach einer Balleroberung jedoch sofort in offensivere Positionen wechseln.
Für die Einordnung der Wettquoten ergibt sich daraus ein interessantes Spannungsfeld. Porto könnte mehr als 55 % Ballbesitz erreichen, ohne automatisch die gefährlicheren Chancen zu besitzen. Überwindet Neapel das erste Pressing, bieten sich hinter der aufgerückten portugiesischen Abwehr Möglichkeiten für schnelle Läufe in die Tiefe. Gleichzeitig kann Portos intensives Nachsetzen die Italiener zu vorsichtigerem Aufbauspiel zwingen. Daher erscheint ein umkämpftes Mittelfeldduell mit wenigen freien Räumen als plausibles Spielbild.